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Von Politikern, die nicht rechnen können

Der grosse Wurf von Friedrich Merz ist der alte FDP-Vorschlag mit minimalistischen Abänderungen des Kopisten. Vor Jahren wurde dieses Modell von SPD und Grünen abgeschmettert. Heute zeigen die Grünen viel mehr Verständnis für diese Idee und sogar einige Köpfe aus den Reihen der SPD können ihre Sympathie für den Vorschlag nicht verhehlen. Sogar Eichel könne sich damit anfreunden.

 

Sehr befremdlich sind da Äußerungen von Scholz und den Gewerkschaftern. Unsozial sei der Merz-Vorschlag, da durch die Streichung der Pendlerpauschaleund die Entsorgung der steuerfreien Sonntagszuschläge gerade die Kleinen benachteiligt würden. Wer den Vorschlag aber einmal nachrechnet stellt schnell fest, dass man schon sehr weit vom Arbeitsplatz wohnen muss oder fast ausschließlich Sonntags und Nachts arbeiten darf, damit diese Reform zu höherer Steuerbelastung führen könnte.

 

Familie mit 2 Kindern - 50.000 € Brutto

Die derzeitige Steuerlast beträgt 9200 €. Das Kindergeld beläuft sich auf 3696 €. Daraus ergäbe sich eine Nettobelastung von 5504 €. Beim Merz-Modell wären 32.000 € steuerfrei, da 4 Personen im Haushalt leben. Die verbleibenden 18.000 reduzieren sich noch um die beien Arbeitnehmerpauschbeträge von 1000 €. Die restlichen 16000 € würden mit 12% besteuert. Die Belastung wäre 1920 €. Der Vorteile für diese Familie wäre 3584 € pro Jahr. Der Wegfall der Pendlerpauschale macht diesen Vorteil wieder zunichte, falls täglich über 200 km gependelt wird.

 

Ein Single mit 60.000 € Brutto

zahlt derzeit rund 18.700 € Steuer. Nach dem Merz-Modell sind die ersten 8000 € steuerfrei, die zweiten 8000 € werden mit 12% (960 €) besteuert. Die nächsten 24.000 € sind mit 24% (5760 €) zu besteuern. Die Last für die restlichen 20.000 € beträgt 36% (7200 €). Die Gesamtsteuer beträgt 13.920 € und ist damit 4780 unter dem derzeitigen Steuersatz.

 

Kompliziertes Steuerrecht nutzt nur den Reichen

Bei kleinen Einkommen lohnt sich die Umgehung der Steuern nicht, da kreative Steuergestaltung, neben dem zeitlichen Aufwand, mit einem nicht unerheblichen finanziellen Aufwand verbunden ist. Steuersparmodelle machen erst ab einem Steuersatz von 35% überhaupt Sinn. Das Merz-Modell mit einem Spitzensteuersatz von 36% läßt kaum noch Spielraum für Steuersparmodelle, da sich diese nicht mehr lohnen.

 

Die Opfer des Merz-Modells

Deutschlands Spitzenverdiener sollten eigentlich den Spitzensteuersatz von über 50% bezahlen. Durchschnittlich zahlt diese Gruppe aber nur rund 36%. Wie erreicht man einen so niedrigen Steuersatz. Das funktioniert nur durch die Verringerung des Einkommens in einen Bereich weit unter 50.000 € pro Jahr. Daraus muss man schließen, dass die Spitzenverdiener den größten Teil ihres Einkommens durch Abschreibungsmodelle verstecken. Der Staat erhält von einem Einkommen von einer Million durch diese Tricks nur einige zehntausend Euro, statt rund einer halben Million. Die Differenz schlucken diverse Abschreibungsgesellschaften, Leasingfirmen, Banken, Werbeagenturen oder Reedereien. Der Vorteil für den Steuerpflichtigen läge in diesem Beispiel bei rund 200.000 €. Die Spitzenverdiener müssen sich aber nicht sorgen. Nach dem Merz-Modell zahlen sie Steuern in den gleichen Größenordnungen, wie die Kosten für die Abschreibungsmodelle.

 

Die eigentlichen Opfer sind daher nicht die Spitzenverdiener, sondern die dubiosen Abschreibungsfirmen und Leasingfirmen. Zu den Opfern werden auch Steuerberater und Anlageberater zählen. Es wird sehr viel Geld wieder frei verfügbar auf dem Geldmarkt auftauchen, da das Geld nicht mehr durch Abschreibungsmodelle gebunden ist. Es könnte die Initialzündung für einen deutschen Venture-Capital-Markt sein, da unsere Reichen das Geld wohl kaum unter das Kopfkissen legen werden.

Klaus D. Minhardt



Letzte Änderung:  02:25 10/05 2004

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