DJV Deutscher Journalistenverband
Mediengeflüster
Journalismus
PR-Honorare
Beschwerdeordnung Presserat
Pressekodex

Realtimecounter
Gewerkschaften in Zeiten der Krise

Die IG Metall hat es deutlich zu spüren bekommen. Nur moderne Gewerkschaften mit innovativen Ideen haben noch eine Chance im Poker mit den Arbeitgebern.

 

Gewerkschafter müssen anfangen zu lernen, dass sie wie ein Arbeitgeber denken. Wie lassen sich die Erträge des Unternehmens erhöhen? Wie besteht man in der Krise? Kann man neue Märkt öffnen, damit zu entlassende Mitarbeiter doch wieder gebraucht werden?

 

Bei 4,5 Millionen Arbeitslosen und 3 Millionen Sozialhilfeempfängern ist es nicht einfach, falls man pauschale Lohnerhöhungen in einem Tarifvertrag durchsetzen will. Es stehen ja genug vor der Türe, die auch für weniger Geld arbeiten würden. Reihenweise treten Arbeitgeber aus den Verbänden aus oder wandeln ihre Mitliedschaft in eine ohne Tarifbindung (OT) um. Es gibt schon Regionen, in denen kein einziger Verleger mehr an den Tarif gebunden ist. Es gehen langsam die Verhandlungspartner aus.

Berufsjahresstaffel

Immer wieder steht die Abschaffung der Berufsjahresstaffel zur Diskussion. Jeder Redakteur in einem festen Anstellungsverhältnis ist natürlich am Erhalt dieser Einkommensstufe interessiert. Die angestellten Redakteure sitzen auch auf den Vorstandssesseln der Gewerkschaften. Völlig anders sehen dies freie Journalisten oder arbeitslose Kollegen mit viel Berufserfahrung. Wer einmal draußen ist, der kommt wegen der Berufsjahresstaffel nicht mehr rein. Die Verlage stellen lieber junge Kollegen mit niedrigem Tarifgehalt ein.

Falsches Gewerkschaftsverständnis

Die klassische Aufgabe einer Gewerkschaft ist der Schutz der Arbeitnehmer vor Ausbeutung und die Schaffung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen. Heutige Forderungen stellen den Lebensstandard in den Mittelpunkt. Weniger Arbeitszeit bei mehr Einkommen sind das erklärte Ziel. Wo bleiben da die Arbeitslosen und die Freien? Um beide Gruppen kümmert man sich praktisch nicht. Für Arbeitslose könne man ja schließlich bei den Arbeitgebern nichts fordern und den Freien fehle es an der nötigen Solidarität.

 

Aber gerade diese beiden Gruppen sind die Ärmsten der Armen und würden den Schutz und die Hilfe der Gewerkschaft am dringensten benötigen. Die Forderung nach Lebensarbeitszeitmodellen wurde immer wieder als nicht durchsetzbar abgeschmettert. Aus anderen Branchen wissen wir, dass gerade innovative Arbeitszeitmodelle zur Einstellung neuer Mitarbeiter führen und die Vorhandenen keine unbezahlten Überstunden mehr leisten müssen. Warum gibt es keine gemeinsame Einrichtung zur Abrechnung der Leistungen von freien Journalisten nach dem Vorbild der kassenärztlichen Vereinigung? Dies würde den Freien sehr helfen und würde auch das Preisdumping reduzieren.

 

Wer mehr Geld vom Verleger will, sollte sich auch Gedanken machen, wie er dem Verleger helfen kann. So werden beispielsweise viele Rechte der Urheber nicht genutzt oder der Verleger begibt sich an den Rand der Legalität. Die pauschale Abtretung derartiger Rechte könnte ein gutes Tauschobjekt für die Forderungen der Gewerkschaft sein. Warum setzt man sich nicht für Beteiligungsmodelle ein? Bei steigenden Erträgen steigen die Gehälter und umgekehrt. Dadurch wären die Öffnungsklauseln überflüssig und auf Entlassungen in Krisenzeiten könnte oft verzichtet werden.

 

Wie man an diesen wenigen Beispielen erkennen kann, mangelt es nicht an den Möglichkeiten, sondern nur am Willen zu deren Umsetzung. Es wird höchste Zeit für neue Wege. Schuldig sind alle Beteiligten.

 

Klaus D. Minhardt



Letzte Änderung:  02:08 20/10 2003

Gysis Gehirn gefälscht
KEF bewilligt nur maßvolle Erhöhung
Denken wie ein Verleger
WAZ mit Mafia in einem Boot?

Schnäppchenangeboten bei www.beautynet.de

Suche Sitemap

 

Copyright 2005 Pressbox.at  ###TIP###

Impressum  Kontakt